Journal 1

Institut Richard Moritz

Mangelnde Lesekompetenz

 

Das geschrieben Wort hat eine nie gekannte Bedeutung und Wichtigkeit erlangt. Der gekonnte Umgang mit geschriebenen Texten ist in vielen Bereichen des täglichen Lebens zur Überlebensfrage geworden. Sei es im Berufsleben, sei es im Umgang mit Behörden oder Vermietern, überall hat man es mit Texten zu tun. Wenn jemand nicht versteht, was er unterschreibt, kann das seinen Ruin bedeuten.

Die Erhebungen der OECD im Rahmen von PISA (Programme for International Student Assessment) für Erwachsene zeigt die Bildungssituation Deutschlands von ihrer dunkelsten Seite.

Jeder sechste erwachsene Deutsche hat eine Lesekompetenz auf Grundschulniveau. Das deckt sich mit den PISA- Daten von 2000. Kein Wunder, die damals 15jährige sind heute Erwachsene.

Wir können die Daten von 2000 als immer noch aktuell ansehen und damit arbeiten. Aus aktuellem Anlass haben wir kürzlich amtliche Anträge, Gerichtsprotokolle, Schriftsätze von Anwälten und AGBs auf die erforderlichen Lesekompetenzen hin überprüft. Mindestvoraussetzung zum Verstehen eines Antrags an ein Amt: Kompetenzstufe III, ABGs und Gerichtsdokumente Kompetenzstufe VI bis V. Das bedeutet aber, dass 60% der Deutschen mit alltäglichen schriftlichen Angelegenheiten überfordert sind.

Die Kultusministerien haben auf die erschreckenden Daten reagiert. Verstärkt legen die Schulen heute Nachdruck auf Leseproben. In Folge dessen haben sich auch die Anforderungen an Lehrer und Nachhilfelehrer erhöht. Bei den Nachhilfen haben wir heute einen erheblich höheren Anteil an Schülern mit Migranten Hintergrund und im Zuge der staatlichen Hilfen durch das Bildungspaket auch einen höheren Anteil an Schülern der unteren Bevölkerungsschichten. Also jene Schülergruppen, die eine sechs Mal geringere Chance auf eine höhere Bildung haben, als Akademiker-Kinder. Anlass genug für uns nach den Ursachen zu forschen.

In und mit unseren Partnerunternehmen haben wir zahlreiche Schüler auf ihre Schwächen untersucht, unter anderem auch die Exen und Tests der Schulen. Drei Phänomene, die bei nahezu allen leseschwachen Schülern zu finden waren und sind:

1. Falsches Lesen

2. zu geringer Wortschatz

3. Ein Mangel an Verstehen von Zusammenhängen (innerhalb der Sätze sowie unter den Sätzen).

Die Schüler erfassen die Worte visuell als Einheit und vergleichen diese mit gespeicherten Bildern. So hat man es ihnen beigebracht. Das ist unseres Erachtens ein Resultat der Einführung der Ganzheitsmethode in den 60gern. Als Folge dessen, machen lange zusammengesetzte Worte Probleme und Endlaute (Auslaute) und Flexionsendungen werden ausgelassen (auch beim Schreiben). Dazu kommt bei vielen Schülern noch das Phänomen, dass sie ohne Punkt und Komma lesen und schreiben. Dies lässt sich in wenigen Stunden beheben.

Der zweite Punkt ist wesentlich gravierender und der eigentliche Grund für die Chancen-Ungleichheit. Die Schüler mit Migranten Hintergrund, aber auch die Kinder aus dem Arbeitermilieu, sind mit einer „Fremdsprache“ konfrontiert. Das Schuldeutsch ist ein Akademiker-Deutsch. Es ist nicht die Sprache, die in der Familie und/oder ihrem sozialen Umfeld gesprochen wird. Kinder, welche in einem Akademiker-Milieu aufwachsen, haben einen größeren Wortschatz im Schuldeutsch. Es sind aber nicht nur die Worte, es sind auch die Satzstellungen. In Kreisen mit einem höheren Bildungsniveau werden auch komplexere Satzstellungen verwendet. Kinder aus Arbeiterkreisen müssen den Rückstand bis Ende der dritten Klasse aufgeholt haben, sonst schaffen sie den Übertritt nicht.

Warum versagt unser Schulsystem auf breiter Front?

Lernprogramme und Lehrpläne werden am Grünen Tisch gemacht.

Das Sprachniveau in den Grundschulen ist zu hoch. Das soll nicht heißen, dass man das Sprachniveau generell reduzieren soll, man muss die Kinder dahin führen.

Individuelle Eigenarten, werden nicht ausreichend berücksichtigt. Nicht jedes Kind lernt gleich schnell und gleich gut. Das veraltete dreigliedrige Schulsystem ist zu starr. Das Notensystem, welches der Bewertung dienen soll, ist sehr abwertend und sehr oft demotivierend.

Durch übertriebene Leistungsanforderungen werden Kinder oft demotiviert und dann wird Lernen zur Qual.

Die einzelnen Fächer werden, vom Stoff her nicht aufeinander abgestimmt. Beispiele sind: Textaufgaben enthalten Formulierungen, die in Deutsch noch nicht behandelt wurde, in der Physik werden Rechenoperationen verlangt, die in der Mathematik noch nicht durchgenommen wurden. Selbst im Fach Deutsch tritt dieses Phänomen auf. In einer Leseprobe der 2. Klasse fanden wir eine Passage mit Schachtelsätzen, mit zwei Einschüben und einer weiteren Konjunktion.

Fähigkeiten, die bei PISA gefragt werden, sind Anwendungen des Gelernten auf Situationen im Alltag. Die wohl häufigste Frage, die man als Nachhilfelehrer zu hören bekommt lautet: „Wozu soll das gut sein? Das brauche ich doch nie im Leben.“ Die Schule vermittelt den Kindern eine abstrakte Welt, die nichts mit ihrem Erfahrungsschatz zu tun hat. Was kann dagegen getan werden?

 

 

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