23.06.2014

Institut Richard Moritz

Pressemitteilung

Jeder Schüler will (muss) das Abi machen vom 23.06.2014 http://pressemitteilung.ws/node/536081

 

Zu diesem Schluss gelangt man, wenn man den Bildungsbericht 2014 aufmerksam studiert. Der Trend weg von der Hauptschule hin zu Realschule und Gymnasium ist ungebrochen. Der Vergleich von 2012/2013 zu 2004/2005 zeigt für Gesamtdeutschland ein Minus für die Hauptschule von 10,7%, für Bayern sogar 11,9%. Die krassen Unterschiede in den einzelnen Bundesländern werden an der Integrierten Gesamtschule deutlich; Schleswig-Holstein z.B. verzeichnet einen Zuwachs von 53,4%, während Bayern 0,0% aufweist.

Woher kommt der „Bildungshunger“ der Schüler? Warum ist das Abitur so erstrebenswert? Ein kurzer Blick auf die Chancen auf einen Ausbildungsplatz gibt uns die Erklärung. Zwar sind die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt insgesamt gestiegen. Schüler mit Fachhochschulreife (BOS) und Hochschulreife (Abitur) finden zu 97% unmittelbar einen Ausbildungsplatz, mit mittlerem Abschluss 84%, mit Hauptschulabschluss 57% und ohne Abschluss nur noch 25%. Klar! Abi muss sein.

Zu diesem Thema haben wir Frau Rasp, Leiterin des renommierten Nachhilfe Instituts im Münchner Osten, „Die Nachhilfe mit Herz“ zu einem Interview gebeten.

RM: Frau Rasp, Ist es sinnvoll jedes Kind, koste es was es wolle aufs Gymnasium zu bringen?

Frau Rasp: Nein, denn in der 5.Klasse Gymnasium wird wieder ausgesiebt und die Schüler, die abgestuft werden, erleiden eine Abwertung.

RM: Aber, nur Hauptschulabschluss reduziert die Chance auf einen Ausbildungsplatz auf ein Drittel.

Frau Rasp: Das kann ich bestätigen. Die Statistiken des Bildungsberichts zeigen, dass z. B. 2012/13 (7. bis 9. Klasse) 30,1 % vom Gymnasium zur Realschule wechseln mussten, 1,4% sogar direkt zurück zur Hauptschule. Das zeigt, dass die Schüler mit den Anforderungen des Gymnasiums überfordert waren. Das passierte nur, weil hier Schüler unnötig gedrängt wurden einen höheren Bildungsweg einzuschlagen, ohne auf ihre wahren Fähigkeiten Rücksicht zu nehmen.

RM: Das ist natürlich ein Problem. Aus vielen Gesprächen mit Schülern weiß ich, dass „Gymnasiumkind“ ein Statussymbol ist. Kinder sind stolz darauf, dass sie auf das Gymnasium gehen dürfen und sie sind oft geknickt, wenn sie den Übertritt nicht geschafft haben. Selbst der Sprung zur Realschule ist da oft nur ein Trostpflaster.

Frau Rasp: Das mag sein. Trotzdem empfehle ich in vielen Fällen die Realschule, da dies eine gesunde Alternative darstellt. Es ist ja bewiesen, dass Spätzünder oft mit zunehmendem Alter erst motiviert werden und auf das Gymnasium wechseln. Mehr als 1.000 Schüler haben 2012/13 diese Chance genutzt. Viele Schüler, die das Gymnasium besuchen, streben keine weitere Universitätsausbildung an. Laut Statistik stellen wir fest, dass diese Abiturienten den Hauptschülern die berufliche Laufbahn erschweren, indem sie die Lehrstellen besetzen. Z.B.: 2012/13 sind rund 30% der Abiturienten in eine Berufsschule gewechselt, hingegen konnten nur rund 12% der Hauptschulabgänger eine Lehrstelle bekommen.

RM: Nun, das ist ja das Problem, wie sie ja selbst sagen, nehmen die Abiturienten den Hauptschülern die Lehrstellen weg. Das Gymnasium wird nicht mehr als Vorbereitung zum Universitätsstudium gesehen, sondern als genereller Berufseinstieg.

Frau Rasp: Klar, so wie ich das eben dargestellt habe. Man sollte schon ganz unten anfangen und die Kinder, falls sie Lernschwächen zeigen, sofort fördern.

RM: Dazu sind ja die Förderschulen da.

Frau Rasp: Sollte so sein, ist es aber nicht. Die Abschlusssituation in den Förderschulen ist ein ziemliches Desaster. 72% der Schüler erreichen überhaupt keinen Abschluss.

RM: Viele Schüler wechseln wieder von der Förderschule zum regulären Weg.

Frau Rasp: Das ist richtig, aber es sind ungefähr 4 Mal mehr, die in die Förderschule wechseln als umgekehrt. Durch eine Rückstufung in die Förderschule nimmt die Motivation ab. Die Schüler werden evtl. auch noch gemobbt und dadurch in ihrer Situation noch zusätzlich abgestempelt.

RM: Die Alternative wäre das klassische Sitzenbleiben oder die Rückstufung in ein niederes System.

Frau Rasp: Eine Klasse zu wiederholen oder in ein niedriges Schulsystem abgestuft zu werden, ist immer demotivierend.

RM: Länder wie Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein setzen auf die Integrierte Gesamtschule. Sollte Bayern dem Beispiel folgen, oder beim klassischen Dreigliedrigen System bleiben?

Frau Rasp:

Die Abwertung die eine Rückstufung beinhaltet ist sehr demotivierend für die betreffenden Schüler, dieser Effekt ist bei der Integrierten Gesamtschule nicht gegeben. Der Trend zum Abitur ist jedoch eng mit der Situation am Ausbildungsmarkt verknüpft.

Der Bildungsbericht zeigt aber auch, dass sich die Situation verbessert hat, z.B.: die Lesekompetenz ist merklich gestiegen. Es geht aufwärts, mit etwas Geduld verbessert sich auch die Bildungssituation der deutschen Bevölkerung. Wir haben noch viel zu tun.

RM: Vielen Dank für das Gespräch

 

 

 

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